Börsenjournalist Markus Koch referierte

(Fuldaer Zeitung vom 21. Mai 2009)

Der Mann auf dem Podium streckt seinen angefeuchteten Finger in die Luft, als wolle er die Windrichtung messen, und erntet damit großes Gelächter. Der Mann heißt Markus Koch.

Er ist jedoch kein Komiker, sondern Börsenfachmann, der mit dieser Geste auf die Frage antwortet, nach welchen Kriterien er sich Aktien aussuche. Ein Hauch von Wall Street und großer, weiter Börsenwelt wehte durch die altehrwürdigen Mauern des Schlüchterner Ulrich-von-Hutten-Gymnasiums, als Markus Koch für zwei Stunden in der Schulaula zu Gast war. Der Börsenjournalist und Buchautor, der als New-York-Korrespondent des Nachrichtensenders ntv einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erlangt hat, kehrte an den Ort zurück, an dem er selbst in den 80er Jahren die Schulbank gedrückt hatte.

Markus Koch befindet sich derzeit auf einer Vortragsreise durch Deutschland und folgte der Einladung des Fördervereins des Ulrich-von-Hutten-Gymnasiums, der im Zuge seiner Aulagespräche immer wieder ehemalige Schüler einlädt, damit sie über ihren beruflichen Werdegang berichten. In der beschriebenen lockeren Art referierte Koch zum Thema „Die große Krise“, bevor er sich den zahlreichen Fragen seiner Zuhörer stellte. Dabei präsentierte er sich nicht nur als Fachmann in Sachen Börse, sondern auch als ein absoluter Medienprofi. Koch verstand es gekonnt, trotz hohem Unterhaltungswert die Ernsthaftigkeit des Themas nicht aus den Augen zu verlieren. Gerüstet mit detailliertem Hintergrundwissen verschaffte er dem Publikum Einblicke hinter die Kulissen des Börsen- und Finanzmarktes sowie in die Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Einblicke hinter die Kulissen des Börsen- und Finanzmarktes sowie in die Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft. Er spannte einen weiten Bogen von den Ursachen der Finanzkrise über eine Analyse der aktuellen Lösungsversuche bis hin zu den Lehren, die seiner Ansicht nach daraus zu ziehen seien. Und er verteilte Lob und Tadel an die unterschiedlichen nationalen Ansätze zur Bewältigung der Krise. Dabei verzichtete Koch auch nicht auf eine kritische Selbstreflexion der eigenen Branche. Bei wirtschaftlichen Turbulenzen derzeitigen Ausmaßes könne laut Koch ein vorüber-gehendes Eingreifen des Staates etwa durch Teilverstaatlichung von Banken durchaus Sinn machen. Dort, wo die Regierungen sehr schnell und am entschlossensten gehandelt haben, sei die Konjunktur am stabilsten, so zum Beispiel in den USA und in China.

Bei abflauender Krise müsse sich nach der Meinung Markus Kochs die Politik jedoch wieder zurückziehen, da sie in der Vergangenheit durch ihre Eingriffe in die Selbstheilungskräfte der Märkte die Krise selbst mit verursacht habe. Vielmehr gelte es, jetzt etwas an den Strukturen der Finanzwirtschaft zu ändern, indem beispielsweise Investmentbanker nicht weiter durch Bonuszahlungen angetrieben werden dürften, die nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet seien. Darüber hinaus müsse sich in einem System, in dem jeder eingezahlte Dollar zuvor 34-mal verliehen worden ist, die Transparenz erhöhen, „sonst haben wir nichts aus der Krise gelernt“, führte der Börsenfachmann aus.

Anhand historischer Belege wagte Koch Prognosen über die wirtschaftliche Entwicklung in naher Zukunft. Demnach, so ist sich der Börsenprofi sicher, werde sich die Weltwirtschaft ziemlich rasch mit steigenden Zinsen, einem schwächeren Dollar und infolgedessen mit ansteigenden Rohstoffpreisen konfrontiert sehen.

In seine eigene berufliche Zukunft blickend, berichtete Koch über die im Juni beginnenden Dreharbeiten zu einem Kinofilm. Darin werde er sich dokumentarisch damit beschäftigen, welchen Einfluss Emotionen auf die Börse haben und „welche Dummheiten wir in Zeiten von Euphorie und Panik begehen“.