
(Fuldaer Zeitung vom 27. März 2009)
Diesen Eindruck vermittelte der 67-Jährige bei seinem Vortrag „An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil“ in der Hochschule Fulda, wohin er auf Einladung des Fördervereins des Fachbereichs Wirtschaft am Donnerstagabend gekommen war. Und der bestand aus einem Streifzug durch die Wirtschaftsgeschichte mit Blick auf den Dax, Seitenhieben gegen „Angie, dem sprechenden Hosenanzug aus Mecklenburg-Vorpommern“ und gegen „Steinbrücks Staatsanleihen“, die ihm von nach Sicherheit strebenden Bürgern aus den Händen gerissen würden.
Mit Humor, schnellem Sprechtempo, einem Hang zur Imitation von Dialekten und Personen, einer Menge Elan, dem Talent, seine Zuhörer zu begeistern und einer angenehmen tiefen Stimme, der die Zuhörer auch nach zwei Stunden noch konzentriert lauschten, schilderte er die Entwicklungen, die zur Immobilien- sowie Finanzkrise und oben drauf zur Rezession führten. Zum Börsen-Multimillionär wird dank Lehmanns Vortrag wohl niemand werden. Das machte er mit Sprüchen deutlich wie: „Ich kann ihnen nicht sagen, wie Sie reich werden, aber ich kann Ihnen sagen, wie Sie schnell arm werden: Indem Sie versuchen schnell reich zu werden.“ Diesen Zitaten des Finanz- und Börsengurus André Kostolany verlieh er Nachdruck mit der Zeitungs-Titelzeile „Studie beweist: Geisteskranke sind an der Börse erfolgreicher“, die er auf die Wand projizierte.
Selten war in den vergangenen Monaten beim Thema Finanzkrise so viel entspanntes Gelächter nach so treffenden Witze zu hören. Hochschul-Präsident Professor Dr. Karim Khakzar, die Organisatoren Martina Langsch, Professor Dr. Michael Huth und Fördervereinsvorsitzender Professor Peter Haller, weitere Professoren, Gäste aber hauptsächlich junge Studenten drängten sich zu dem Mann, der früher Leiter der Hessenschau war, die Börsen-Berichterstattung im ARD-Morgenmagazin, ARD-Mittagsmagazin sowie in der Tagesschau und den Tagesthemen moderierte, in dem Vortragsraum. Großes Interesse entgegen dem "dramatischen Wechsel zum leichten Boulevard, Mode und Make-Up statt Politik und Wirtschaftsthemen“ unter 14- bis 29-Jährigen, wie Lehmann eine aktuelle Studie zitierte.
„Er hat so eine lebendige Art, alles rüberzubringen. Man bekommt das Gefühl, dass er einer von uns ist, unsere Sprache spricht. Er wirkt nicht so steif wie manche Professoren. Man merkt, dass er viel erlebt und gesehen hat. Er ist glaubwürdig“, beschreibt Oliver Mahr (21), Wirtschaftsstudent und Vorstandsvorsitzender des Akademischen Börsenvereins Fulda, Lehmann nach dem Vortrag, in dem der Wirtschaftsjournalist auch verdeutlichte, dass man das Börsenwetter nicht voraussagen könne, keine 24 und auch keine zwei Stunden.
Und vielen wird vielleicht auch sein Abschlusssatz nachklingen: „Sie werden sich noch über Vieles wundern. Denn: Wer sich nicht mehr wundern kann, ist tot“, zitierte er Albert Einstein und forderte seine Zuhörer auf: „Also wundern Sie sich.“ Nach großem Applaus und vielen Fotowünschen, löcherten ihn die zahlreichen neugierigen Studenten bei Gebäck und Getränken, denen er sichtlich gerne Fragen zu seiner Börsenwelt beantwortete.